Im Innenhof des alten griechischen Steinhauses, das wir für die Ferien gemietet
hatten, saßen wir in fröhlicher Runde, genossen unser Abendessen, tranken kühlen Rezina und unterhielten uns über den Tag Ich stellte die Frage an die Runde, ob jemand wüsste, was gestern Nacht wohl für ein Fest gefeiert worden ist auf der Burg, die hoch über Anthoussa thronte.
Jeder schütteltet den Kopf, auch unsere griechischen Freunde, und sie sahen mich
fragend an, wie ich überhaupt darauf käme.
„Das müsst ihr doch gehört haben, die Musik, und die Fackelbeleuchtung war auch
nicht zu übersehen?„ gab ich die Frage zurück. Ich wurde nur müde belächelt und so wie die Blicke mich trafen, nahmen meine Freunde wohl an, ich hätte ein wenig zuviel Rezina getrunken.
Das traf zwar nicht zu, aber ich wusste genau was ich gesehen und gehört hatte,
noch dazu, wo ich von meinem Balkon aus einen tollen Blick zur Burg hatte.
Der Abend neigte sich zu Ende und als unsere Freunde aufbrachen, machte auch ich mich auf, zu Bett zu gehen.
Seit ich hier in Anthoussa meine Ferien verbrachte habe ich es mir zur
Gewohnheit gemacht, bevor ich ins Bett ging, noch eine Weile am Balkon zu sitzen und die Schönheit der Nacht zu genießen. Auf der rechten Seite hatte ich den herrlich weiten Blick über die Bucht von Parga auf das Ionische Meer, die
Segelboote, die vor Anker lagen und im glitzernden Wasser ruhig und friedlich
schaukelten.
Zu meiner linken war dieser gewaltige Anblick, die Burg des Ali Pasha.
Die alten Mauern ragten vom Mondlicht beleuchtet, stolz, dominant, und
geheimnisvoll in den Nachthimmel. Ich setzte mich in meinen Lieblingsstuhl und
ließ meinen Gedanken freien Lauf und genoss die Kühle des Abends.
Ich war wohl ein wenig eingenickt, als mich irgend etwas aus dem Schlaf rief und
ich lauschend und suchend, den Kopf hob. Da war sie wieder, diese Musik, die ich
ja schon einige male gehört hatte. Ich erhob mich von meinem Sitzplatz und
schaute neugierig hoch zur Burg. Die Musik kam von dort, da war ich mir ganz
sicher und wieder hatte ich das Gefühl ich würde Fackellicht sehen. Eine Weile
starrte ich wie gebannt auf die alten Gemäuer, lauschte und versuchte zu
erkunden was immer dort auch vor sich ging. Es waren hauptsächlich Trommeln die ich jetzt hörte und mir schien als würde das Tanzen der Fackelbeleuchtung immer intensiver. Das war kein Traum, da ging irgend etwas geheimnisvolles vor sich und ich war wild entschlossen dieses Geheimnis zu lüften. Ich zog meine
Turnschuhe an und machte mich daran das Haus durch den Hinterausgang zu
verlassen, um niemanden im Haus zu wecken.
So schlüpfte ich durch das alte Holztor raus auf den kleinen Pfad der hinten am
Haus entlang führte und machte mich auf die Burg zu erklimmen. Nach einem kurzen Stück, bog der Weg links ab und der Anstieg zur Burg begann. Durch den hellen Mond war der Weg sehr gut zu erkennen und ich hatte keine Schwierigkeit mich leise und doch schnell vorwärts zu bewegen. Der Weg war mit alten Steinen
ausgelegt und zeichnete so ein helles Band, das eingesäumt von dunklen
Sträuchern und wohlriechenden Kräutern, mir es leicht machte mich zu
orientieren. Während ich so forsch voran schritt, merkte ich, wie ich immer mehr
und mehr Herzklopfen bekam.
Vielleicht war es doch ein Fehler, so alleine in der Nacht zur Burg zu gehen,
noch dazu wo keiner meiner Freunde wusste, wo ich war. Könnte ja auch sein, dass sie schon bemerkt hatten das ich nicht mehr im Haus bin und sich sorgen um mich machten. Doch schnell verwarf ich wieder diesen Gedanken, denn wie ich meine Freunde kannte, schliefen sie schon alle tief und fest und keine würde nachsehen gehen, ob ich auch in meinem Zimmer war.
Kurz unter der Burg beschloss ich eine Abkürzung zu nehmen, dieser kleine Pfad
führte durch einen sehr alten Olivenhain und man näherte sich der Burg mehr von
der rechten Seite. Jetzt bestand überhaupt kein Zweifel mehr, das Trommeln kam
aus der Burg und jetzt konnte man sogar schon Stimmen hören.
Im Schutze der alten Olivenbäume stand ich im Dunkeln und spähte zum
Haupteingang. Was ich sehen konnte, waren Fackeln, die rechts und links vor dem
großen steinernen Torbogen angebracht waren und zwei Männer, die den Eingang
bewachten.
Sicher ein privates Fest, könnte ja sein, das man die Burg für besondere
Gelegenheiten mieten kann, versuchte ich mich selber zu beruhigen, es gelang mir aber nicht wirklich. Die nächtliche Stimmung, der Mond und die rhythmischen
Trommeln, trieben mich vorwärts und wühlten mich auf.
Ich verließ die schützenden Dunkelheit der Olivenbäume und ging auf das Tor zu.
Jetzt oder nie, war die Devise, wenn ich jetzt nicht erkunde was hinter den
alten Mauern vor sich geht, dann würde ich es nie erfahren. Beherzt schritt ich
dem beleuchteten Torbogen entgegen und ging auf die Männer zu. Nackter
gestählter Oberkörper, weiße weite Hosen mit einer schwarzen Schärpe um die
schmale Hüfte, sie waren im Fackellicht martialisch anzuschauen. Ich war wohl
sehr überrascht und es beeindruckte mich sehr, so starrte ich sie wohl einen
Moment lang an, und so bemerkte ich nicht, das einer der Männer mir ein
Handzeichen machte, erst als er sich von seinem Platz löste, nahm ich die Geste
war. Er bedeutete mir, ich solle näher treten.
Etwas unsicher ging ich auf ihn zu, er wiederholte die einladende Geste und
schritt mir voran in den Innenhof der Burg.
Links nach dem Haupteingang befanden sich zwei halbverfallene Gewölbe, doch
jetzt war vom Verfall nichts zu bemerken. Schwere Stoffe und handgewebte
Teppiche zierten die Wände, und ehe ich mich versah, schob er mich in eines der
Gewölbe. Das Erste, was mir hier auffiel, war dieser sinnlich schwere Duft, der
mich einhüllte und fast die Sinne raubte. Es war auch dunkler als im Vorhof und
ich musste mich etwas an die düstere Beleuchtung gewöhnen, bevor ich erkennen konnte, was hier drinnen los war.
Einige schwere alte Truhen standen an den Wänden und der Boden war mit weichen Teppichen ausgelegt, auf denen dicke Kissen lagen, in den herrlichsten Mustern und Farben, kleine Öllampen brannten an der Wand. Ich genoss diesen Anblick und merkte wie meine Nervosität sich allmählich verflüchtigte, da riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken.
„Guten Abend wir haben sie erwartet„ sagte eine weiche Frauenstimme hinter mir, ich drehte mich erschrocken um.
Diese schöne schwarzhaarige Frau stand vor mir, ihr orientalisch anmutendes
Gewand schimmerte im Licht der Öllampen und mit ihren schwarzen großen Augen blickte sie freundlich lächelnd in mein Gesicht. Irgendwie war ich sprachlos und konnte auch nur lächeln, so nahm sie mich an der Hand und führte mich zu eine der Truhen. Sie öffnete diese und nahm einiges heraus und legte es auf den Hocker der daneben stand. Mit einer leichten Bewegung deutete sie mir, ich solle in den großen mit Fellen ausgelegten Stuhl Platz nehmen, was ich auch dankbar annahm.
Sie fing an, mir meine Schuhe auszuziehen und steckte meine nackten Füße in ein
Paar zierliche Pantöffelchen, die mit goldenen Fäden bestickt waren. Danach half
sie mir aus meinen Kleidern, es machte mich etwas unruhig und ich wollte fragen,
was denn das alles soll, sie legte ihren Finger auf meinem Mund und lächelte ihr
sicher schönstes Lächeln.
Als ich entkleidet war und nackt vor ihr stand kam eine zweite Frau, es schien
als währe es ihre Dienerin. Ihre Anmut und Sanftheit war bezaubernd, auf einem
Tablett trug sie verschiedene Gefäße und Karaffen herein und stellte diese neben
mir ab. Neugierig betrachtet ich ihr Tun mir zu Füssen und zugegebenermaßen fand ich diese Szene sehr erregend.
Nach dem sie an einigen der Karaffen und Gefäße gerochen hat, goss sie einige
der Essenzen in eine kleine goldene Schüssel, träufelte ein paar Tropfen auf
ihren Handrücken und nickte zufrieden. Ich nahm gedämpftes Lachen und
ausgelassenen Gemurmel war, das durch den dumpfen Hall der Trommel sich den Weg an mein Ohr bahnte.
Diese Trommeln, allmählich durchdrangen sie meinen ganzen Körper, es war als
würden sie langsam von mir besitzerreifen und zogen mich so immer mehr in ihren Bann.
Die Dienerin begann nun, mich mit diesen betörend duftenden Essenzen und Ölen
einzusalben. Ihre zarten weichen Hände glitten meinen Körper entlang und
verteilten diese duftende Pracht über mich. Tief atmend genoss ich diesen
sinnlichen Augenblick, der meine Erregung steigerte und mir fast die Sinne
schwinden ließ. Ich schloss die Augen, gab mich hin und dachte nicht mehr an zu
Hause.
Fast wie in Trance genoss ich es, dass die beiden Frauen mich ankleideten.
Lange wallende Gewänder aus feinster hauchdünner Seide bedeckten meinen Körper, die kleinen goldenen Pantöffelchen passten farblich genau dazu und ins Haar steckten sie mir einen Kranz aus selten Blumen. Sie lächelten sich an und
betrachteten zufrieden ihr Werk, machten eine kleine Verbeugung und verschwanden lautlos.
Gerne hätte ich mich in einem Spiegel betrachtet, doch hier in diesem Raum war
keiner zu sehen, also betastete ich meine Kleidung und drehte mich ein wenig um
mich selbst, um den feinen Stoff auf meiner Haut zu fühlen.
Ich musste zugeben, ich fühlte mich himmlisch und war entzückt und auch ein
wenig entrückt. Als ich mich umdrehte stand wie aus dem Nichts einer der Diener
vor mir und bedeutete mir, ihm zu folgen. Wir gingen durch die alten Gewölbe und kamen in einen großen Saal, hell erleuchtet von Fackeln und erfüllt von Musik
und tanzende Menschen aus aller Herrenländer.
Da stand ich nun und betrachtete fasziniert das bunte Treiben und die Trommler
die mit glänzenden schweißnassen Körpern an der Wand entlang saßen und den
Rhythmus einpeitschten. Während ich mich umsah im Saal und das sinnliche Treiben betrachtete wurde ich immer mehr und mehr in den Strudel des Geschehens gezogen.
Der Trommelrhythmus nahm Besitz von mir und ich tanzte und tanzte, bis mein
Körper ein einziger zuckender wirbelnder bunter Teil des ganzen war. Wie lange
ich nun schon tanzte, ich hatte keine Vorstellung und ich wollte auch nicht
darüber nachdenken, als ich bemerkte, das die Menschen rund um mich gar nicht
mehr da waren. Ich war alleine in diesen großen festlich geschmückten Saal, die
Fackel brannten noch an den Wänden und Musik spielte, doch es war keine Trommeln mehr zu hören.
Ich wiegte mich nach der Musik und gab mich ganz dieser zarten Melodie hin und
fühlte die abklingende Hitze langsam aus meinen Körper weichen. Mit weit
ausgebreiteten Armen drehte ich mich fast schwebend im Kreis, die Augen
geschlossen und hingebungsvoll der Musik folgend, als mich etwas inne halte
lies. Ich blieb stehen und instinktiv spürte ich einen Blick auf mich gerichtet, ich
drehte mich um. Vor mir stand ein großer stattlicher Mann, er war ganz in schwarz gekleidet,sein langer Kaftan schimmerte im Licht der Fackeln und auf seinem Haupt trug ereinen Gold durchwirkten Turban geschmückt mit einer kostbaren Brosche aus Edelsteinen und Perlen.
Seine Augen funkelten wie schwarze Rubine, das markante und doch feinen Gesicht lies mich für einen Moment den Blick senken, ich wusste er betrachtete mich mit seinem wachen Blick.
Ich stand ganz still und rührte mich nicht, traute mich aber auch nicht den Kopf
anheben um ihm in die Augen zu schauen, die Sekunden wurden zur Ewigkeit und ich bemerkte wie mein Körper anfing zu zittern.
Dann fühlte ich seine Hand ganz leicht an meinem Kinn und er hob meinen Kopf an, ich blickte auf und im Nu wusste ich, wen ich vor mir hatte – das raubte mir
fast den Atem und die Sinne.
Seine weiche Stimme drang an mein Ohr wie aus einer fernen unwirklichen Welt.
Er bedankte sich bei mir für mein Kommen und versicherte mir, dass es ihm eine
besondere Ehre sei, mit mir an seiner Seite das Fest zu feiern und meine Freude
und Hingabe zu erleben. Zärtlich nahm er meine Hand und küsste sie lange, erst
jetzt bemerkte ich, das die Fackeln immer weniger wurden und die Musik zu Ende
war…
Wach wurde ich, als mein Freund mich sanft an der Schulter schütteltet und
belustigt meinte: „So wie du riechst könntest du auch eine Nacht mit Ali Pasha verbracht haben und wo hast du denn die Blumen her?„
Er bückte sich und legte mir einen Kranz von schönen selten Blumen, der mir zu
Füssen lag in meinen Schoß….